Im ausgehenden Mittelalter hatte fast jeder Ort seinen Palmesel, der bei den Palmprozessionen mitgeführt wurde, um den Einzug Christi in Jerusalem zu symbolisieren. Dabei handelte es sich oft um lebensgroße Eselplastiken, auf denen nicht selten eine holzgeschnitzte Christusfigur ihren Platz hatte. Der Umzug mit einem Palmesel war einst im gesamten oberdeutschen Sprachraum, aber auch in den niederländischen und belgischen Gebieten verbreitet.
Man verschmähte es auch nicht, sich "in der Nachfolge Christi" selbst auf einen Esel zu setzen. So pflegten die Salzburger Erzbischöfe im ersten Jahr nach ihrer Wahl einen Palmritt zur Nonnbergkirche zu machen - allerdings nicht auf einem plebejischen Esel, sondern auf einem Schimmel.
Im salzburgisch-oberbayerischen Raum durften die Kinder nach einem Bericht von 1785 auf einem lebendigen Palmesel reiten, bis das Konsistorium das "Eselsfest" verbot. Meist verwendete man aber hölzerne Esel, die festlich aufgeputzt waren und mit einer Christusfigur darauf auf einem Karren in der Prozession mitgezogen wurden.
Ein ganz besonderer und begehrter Prozessionsesel stand am Anfang des 19. Jahrhunderts unter dem Nonnberger Tor in Salzburg. Das Holztier war ein wahres Wundertier, das Feigen und Bockshörndeln auswarf.
Die meisten dieser Esel sind dem Bildersturm der Reformationszeit zum Opfer gefallen; die Esel, die den Sturm überstanden, verbannte die Aufklärung Ende des 18. Jahrhunderts. |